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Von Catharina Siemer

WARUM WIR MEHR TAGTRÄUMEN SOLLTEN – DEFAULT MODE NETWORK

Als Kinder machen wir es ständig. So manches Kind kann stundenlang aus dem Fenster schauen und vor sich hin träumen. Dabei entstehen die dollsten Geschichten. Mit dem Erwachsenwerden, den zunehmenden Pflichten, dem Leistungsdruck und all dem Kram, den wir uns so auferlegen, verlernen wir es irgendwie. Und schwuppdi – ehe wir uns versehen, tun wir es als sinnlos und zeitverschwendung ab: Das Tagträumen.

Dabei ist es durchaus nicht sinnlos und Zeitverschwendung – Im Gegenteil. Tagträumen macht uns produktiv. Warum? Weil dann ein ganz besonderes Netzwerk in unserem Gehirn aktiv wird: Das DEFAULT MODE NETWORK. Hm? Wat is dat? Ja, das habe ich mich auch gefragt, drum habe ich ein wenig recherchiert und einiges darüber erfahren. Here we go:

Das Default Mode Network (DMN) – oder auch ‚Bewusstseinsnetzwerk‘/‚Ruhezustandsnetzwerk‘ bzw. ,Standardnetzwerk‘ – beschreibt ein Netzwerk von Gehirnregionen, die beim vermeintlichen Nichtstun aktiv werden (vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Default_Mode_Network). Also, wenn wir Tagträumen. Ein Zustand, der gerade bei der Abeit aber eigentlich von uns nicht erwünscht ist, schließlich wollen oder sollen wir produktiv sein, konzentriert arbeieten und bitte schön nicht mit leerem Blick vom letzten Sommerurlaub träumen. Das geht nicht. Oder?

Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass das Gehirn in diesem Zustand keineswegs ruht, sondern höchst aktiv ist.

Wir gehen durch unser ganzes geistiges Repertoire in der Ruhe.

Sagt Simon Eickhoff, Professor für Kognitive Neurowissenschaft an der Universität Düsseldorf (Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/). Da das Default-Mode-Netzwerk Hirnregionen umfasst, die mit dem Selbstbezug, mit persönlichen Erinnerungen und mit dem Ausmalen zukünftiger Ereignisse zu tun haben, wird klar: Beim Tagträumen sind wir eigentlich äußerst aktiv. Und das wirkt sich widerrum auf unsere Produktivität aus. Denn, so Jonathan Schooler, Professor für Psychologie an der University of California in Santa Barbara: Im Tagtraum können wir das Hier und Jetzt verlassen und vorausdenken. Verrückterweise werden die gleichen Gehirnareale aktiv, wenn wir über uns selbst reflektieren oder kreativ sind (vgl.: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13813193/Tagtraeume-spornen-die-Kreativitaet-an.html). Das wirft doch die Frage auf, ob Tagträumen Kreativität fördert. Das scheint durchaus der fall zu sein:

In einem Versuch der University of California sollten Probanden möglichst viele Nutzungsweisen für einen Ziegelstein finden. Wenn man ihnen zwischendurch eine einfache Aufgabe stellte, die zum Tagträumen anregt, kamen sie auf mehr Lösungen als eine Vergleichsgruppe, die ohne Unterbrechung nachdachte. Schoolers Schluss:

Wenn man absolut keine Lösung für ein Problem finden kann, hilft es, einer geistig anspruchslosen Tätigkeit nachzugehen.

… um so das DMN zu aktivieren. Und noch etwas Gutes: Das Default-Mode-Netzwerk hat nicht nur mit Selbstbezug, sondern auch mit dem Bezug zu Anderen zu tun, mit dem Drang, die Perspektive anderer Menschen ins eigene Urteil einzubeziehen. Für Kai Vogeley, Psychiater, Neurowissenschaftler und Philosoph am Psychiatrischen Universitätsklinikum Köln unterstützt das nicht nur auf neuronaler Ebene die philosophischen Theorien über den sozialen Charakter des Ichs. Laut Vogeley werden im tagtraumartigen Denken Ich und der Andere automatisch zueinander in Beziehung gesetzt. Eine innere Disposition des Geistes sozusagen. Kann also durchaus nach Besprechungen hilfreich sein.

Aber Schooler rät auch:

Seien Sie sich über ihre Tagträume bewusst.

Bewusstes Einsetzen von Tagträumen ist also durchweg positiv. Sie können kreative Prozesse in Gang setzen und zu innovativen, ungewöhnlichen oder einfach nur großartigen Ergebnissen führen.

Übrigens: Schooler ist bekennender Tagträumer:

Ich tagträume konstant. Das ist wohl ein Zeichen für meinen jugendlichen Geist!

Also: Mut zum Tagtraum!

P.S.: diesiemer freut sich über Feedback!

Catharina Siemer
Über Catharina Siemer
Medienwissenschaftlerin, Beraterin für Online Kommunikation und Bloggerin mit Leidenschaft für's Backen, Laufen und David Bowie. Als Doktorandin an der HBK Braunschweig forsche ich zum Phänomen "Partizipation im Social Web" und der Frage, wie Unternehmen Online Kommunikation sinnvoll gestalten können. P.S.: Norddeutscher Humor gibt's on Top. Bis bald!

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