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Von Catharina Siemer

Wer noch nie in Bielefeld war, wird sich dort anders bewegen, als jemand, der in Bielefeld aufgewachsen ist. Er hat vielleicht ein wage Vorstellung davon, wie die Stadt aussieht und wie die Menschen, die dort leben, drauf sein könnten. Im Besten Fall hat er sich vorher über Bielefeld informiert, etwas darüber gelesen, sich Bilder angeschaut. Er weiß also, wie die Stadt in der Theorie ist. Und er hat sich ein Bild von Bielefeld gemacht. Dieses ist aber eins, das aus der Entfernung passiert. Erst, wenn er dann wirklich dort ist, wird er auch erleben können, wie die Straßen, die er auf den Bildern gesehen hat, sind. Alles wird ihm fremd vorkommen, denn schließlich war er noch nie dort. Ohne Stadtplan wird er sich schwer zurecht finden, womöglich auch verlaufen. Er wird verblüfft sein von der Art, wie die Menschen dort sprechen, weil sie andere Wörter und andere Ausdrücke benutzen, als in seiner Heimatstadt.
Und weil er ein Mensch ist, wird ihn das erst mal verunsichern. Vielleicht reagiert er mit besonders großer Vorsicht, vielleicht setzt er sich einfach in ein Café und bleibt dort, bis er wieder nach Hause darf, vielleicht steckt er den Kopf in den Sand, in der Hoffnung, dass er die fremde Umgebung ignorieren kann, wenn er sie ignoriert und möglicherweise reagiert er auch mit Ablehnung und die Bielefelder sind sowieso alle irgendwie merkwürdig, sprechen merkwürdiges Deutsch und die Stadt…naja, muss man echt nicht gesehen haben.
Was aber, wenn das nun sein neuer Wohnort ist? Sei es aus beruflichen oder familiären Gründen und er sich mit der neuen Umgebung vertraut machen muss – will er sich dort irgendwann zu Hause fühlen?
Dann wird er versuchen, die Menschen dort kennen zu lernen und sich mit ihrer Sprache vertraut zu machen. Er wird seine Umgebung erkunden, die Infrastruktur erschliessen, schöne und weniger schöne Orte finden. Er wird sein Lieblingscafé finden und Geschäfte, in denen er seine Lieblingsmarke findet. Und er wird herausfinden, welche Orte man lieber meiden sollte.
Kurz: Er wird sich die Umgebung zum Lebensraum machen und sich irgendwann so sicher darin bewegen, als ob er schon immer dort leben würde.

Genau darum geht’s in „Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet“ von Tanja und Johnny Haeusler: Um die Aneignung eines Raumes. Gut, nicht um Bielefeld, sondern um das Internet. Aber Bielefeld kommt auch darin vor. Aber vor allem bringen sie uns die Welt des www aus Sicht der Generation „digital Natives“ näher. In übersichtlichen Kapiteln, die alle digitalen Kanäle umfassen: Von Youtube, über Facebook zu Videospielen bis hin zu kritischen Themen wie Cybermobbing und der Umgang mit der Smartphones-Nutzung. Dabei geht es den beiden vor allem um eins: Nicht mit erhobenem Zeigefinger Regeln aufzustellen und Tipps zu geben, was man machen muss und auf keinen Fall machen darf – sondern mit viel Empathie und Humor authentische Geschichten aus dem eigenen Familienleben zu erzählen. Getoppt mit sehr viel Expertise ergibt das ein Pool aus Ideen zur kreativen Umgangsweise mit den digitalen Medien.

„Netzgemüse –Aufzucht und Pflege der Generation Internet“ von Tanja und Johnny Haeusler ist ein Buch für alle, deren Kids als „digital Natives“ sich im Netz bewegen, als hätte es nie etwas anderes gegeben und die sich fragen, wie sie da noch den Zugang finden sollen. Die Gründer von spreeblick.de zeigen Wege auf, wie der „digital Immigrant“ Youtube, Facebook und Co. nicht nur versteht, sondern digitale Medien in den Familienalltag integrieren kann und so das kreative Potenzial des Netzgemüses mit digitalen Medien fördern kann. Sie geben uns Einblicke in die Welt der digitalen Medien und bringen uns die fremde Stadt Bielefeld a.k.a. Internet näher. Nur das mit dem Erfahren müssen wir noch selber machen. Aber mal ehrlich: Ist es nicht auch einfach spannend, neue Medien auszuprobieren und zu erfahren, was daran so faszinierend ist?

Oder anders gesagt:

[ss_quote author=“Tanja & Johnny Haeusler“]Für unsere Kinder ist dsa Internet so natürlich wie Leitungswasser. Es wird Zeit, dass wir es ebenso lieben lernen.*[/ss_quote]

Catharina Siemer
Über Catharina Siemer
Medienwissenschaftlerin, Beraterin für Online Kommunikation und Bloggerin mit Leidenschaft für's Backen, Laufen und David Bowie. Als Doktorandin an der HBK Braunschweig forsche ich zum Phänomen "Partizipation im Social Web" und der Frage, wie Unternehmen Online Kommunikation sinnvoll gestalten können. P.S.: Norddeutscher Humor gibt's on Top. Bis bald!

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Tanja & Johnny Haeusler – Netzgemüse