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Von Catharina Siemer

DSGVO – eine Liebe für die Ewigkeit. Teil 1

Jeder hat ja so seine Aufgabe im Leben. Meine ist es, in Situationen, in denen alle anderen von Panik getrieben umherirren, stoische Ruhe zu verbreiten. Das kann ich ziemlich gut. Genauso gut kann ich aber auch in Zeiten, in denen sich alle in einem funktionierenden System verstecken mit messerscharfer Kritik und gezielten Worten das ganze System einmal aufscheuchen.
Im Fall DSGVO ist es gar nicht so einfach, sich für eine Seite zu entscheiden: Seit Tagen, Wochen, ja Monaten, wird in panischem Aktionismus dem 25. Mai 2018 entgegen gefiebert. Und während alle wie kopflose Hühner in alle möglichen Richtungen rennen, ohne Orientierung oder einer Ahnung, wohin das ganze führen soll, hörte ich mich Sätze sagen, wie „Ich mach’ das so wie in der Schule – erst mal die anderen machen lassen und dann kurz vorher im Bus abschreiben.“

Nur: Ganz so einfach war’s dann doch nicht. Denn die stoische Ruhe, die ich sonst zu verbreiten gedenke, wich einem unbehaglichen Gefühl von Unzufriedenheit mit der Situation DSGVO, die geschürt von den sich häufenden kritischen, nicht selten polemischen Stimmen zu völliger Genervtheit wurde und schließlich nahtlos zu einer kompletten Abwehrhaltung überging.

Aber dann dachte ich: „Nein, halt. Das geht doch so nicht. Die arme DSGVO! Wieviel Abneigung und Kritik kann das arme Ding denn ertragen?“ Irgendwie beschlich mich das Gefühl, der DSGVO Unrecht zu tun mit dieser negativen Haltung. Und mit ihr all den Menschen, die sich so viel Mühe gegeben haben und die uns aufbauende Sätze zuraunten, wie:

„Es geht um gesunden Menschenverstand und Verhältnismäßigkeit. Wenn Ihnen jemand eine E-Mail schreibt und Ihnen zugesteht, dass Sie seine Daten verwenden dürfen, dann ist doch klar, dass er Ihnen eine Einwilligung erteilt. Im Übrigen sanktionieren die Datenschutzbeauftragten nicht nur, sondern beraten auch. Meine Prognose ist, dass sich die Behörden auf die Anbieter konzentrieren, die den größten Schaden verursachen können, die die meisten Daten verarbeiten.“ ( EU-Justizkommissarin Věra Jourová)

oder auch

„Falls man überhaupt ins Visier der Behörden geraten sollte, müssen deren Maßnahmen immer verhältnismäßig sein, und in der Regel machen sie bei „kleinen Fischen“, die einfach aus Unkenntnis gehandelt haben, Beratung statt Bestrafung.“ (Jan Philipp Albrecht)

 

Alle geben sich so viel Mühe und ich bin, ebenso wie viele von euch, genervt? Das kann ja wohl nicht sein! Die DSGVO ist doch für uns, ein Team-Mitglied, Paragraph-gewordener Traum von Sicherheit! Da wird die Unsicherheit im sogenannten Datendschungel endlich mal ernst genommen und eine Lösung präsentiert und wir? Undankbares Volk. Also wirklich.

Und deshalb sitze ich jetzt hier, bastele ein 1A Shirt und plädiere hiermit zu mehr Liebe für die DSGVO. Jawoll!
Nein, meine kritische Stimme muss diesmal warten, auch wenn ich sonst sehr schnell mit scharfer Kritik und Analyse bin. Heute, einen Tag bevor die Welt der Daten sich um mindestens 180 Grad und zehnmal um die eigene Achse drehen wird, möchte ich ein Zeichen setzen:

❤️ Mehr Liebe für die DSGVO! ❤️

Ja, wirklich, wenn wir ihr mit Achtsamkeit und Liebe begegnen, wird auch sie uns mit Achtsamkeit und Liebe entgegentreten. Wir sollten die Dinge ganzheitlich betrachten. Ein positives Mindset wird uns in diesen Tagen die nötige Energie geben. Und dann… dann wird alles gut. Die Welt der Daten wird eine bessere. Das Internet wird ein besseres. Wir alle werden zu besseren Wesen voller Transparenz. Wie schön.
Und um meine grenzenlose Liebe noch mehr Ausdruck zu verleihen, widme ich diesen Abend ganz der DSGVO. Hach, wir zwei und ein Glas Weißwein. Stoßen wir an auf eine friedvolle Zusammenarbeit in perfekter Harmonie.

DSGVO – eine Liebe für die Ewigkeit. Jetzt auch als Shirt. Ich dreh durch.

P.S.: Neulich wurde mir zugetragen, ich solle mir ein Ironie-Schild basteln, das ich zu gegebener Zeit hochhalten kann, um meine Mitmenschen nicht zu verwirren. Ich denke, erstens ist es nicht verkehrt, das verwirrende, aufrührende Moment zu sein. Besonders dann, wenn das System so gut funktioniert, dass es selbst nicht mehr erkennt, wohin es gerade läuft. Zweitens denke ich, dass es hier keines Schildes bedarf, um zu erkennen, wie ich zu der Thematik stehe.

Wer sich jetzt noch nicht ganz sicher ist, ist herzlich eingeladen, meine Interpretation einer Datenschutzerklärung zu Rate zu ziehen – ich habe das mit der Verständlichkeit hier besonders fokussiert.

Catharina Siemer
Über Catharina Siemer
Medienwissenschaftlerin, Beraterin für Online Kommunikation und Bloggerin mit Leidenschaft für's Backen, Laufen und David Bowie. Als Doktorandin an der HBK Braunschweig forsche ich zum Phänomen "Partizipation im Social Web" und der Frage, wie Unternehmen Online Kommunikation sinnvoll gestalten können. P.S.: Norddeutscher Humor gibt's on Top. Bis bald!

5 Kommentare

  • ©scherl
    1:33 AM - 25 Mai, 2018

    Jetzt dacht ich schon, das sei ein ©scherl.shirt – direkt vom tshirt-papst (Auch für Ungläubige!)(100% handbemalt)

    • ©scherl
      1:37 AM - 25 Mai, 2018

      Die Maschine unterschlägt meinen ^_^ – Skandal!

    • Catharina Siemer
      8:19 PM - 25 Mai, 2018

      niemals würde ich auf die idee kommen, dir konkurrenz machen zu wollen 😉

  • Benedikt
    7:25 AM - 25 Mai, 2018

    Ich habe den „Kampf” jetzt auch hinter mir. Am Anfang war es anstrengend. Als mit der Auseinandersetzung jedoch Verständnis für die Richtlinien aufkam, wandelte sich meine Stimmung in ein friedliches Gefühl der Zuneigung. Wie du schon sagst: Wenn man ihr freundlich begegnet, gibt einem die DSGVO eben auch etwas zurück.

    Schöner Artikel!

    • Catharina Siemer
      8:18 PM - 25 Mai, 2018

      Lieben Dank!
      Ich denke, es ist wichtig, immer die Verhältnismäßigkeit im Auge zu behalten – das haben viele nicht. Ich stehe der DSGVO durchaus kritisch entgegen, weil sie nur einen mininmalen Teil des Diskurs beantwortet. Aber sie kann auch eine Chance sein…

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